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In diesem Teil der Whiskybeschreibungen findet sich alles wieder, was nicht unbedingt in eine der anderen vorhandenen Kategorien hineinpasst.

Vorbemerkung zum amerikanischen Whiskey

Will man sich dem amerikanischen Whisky annähern, so muss man nicht nur tief in die Tasche greifen, sondern kommt auch nicht umhin, sich zumindest ein bisschen Backgroundwissen anzueignen. Amerikaner scheinen ziemlich locker mit Geschichte und Geschichten umzugehen - davon zeugen schon allein die unzähligen, auf Whiskey-Labels genannten Destillerien, die nie existierten oder zumindest nicht mehr existieren.
Und was die tiefe Tasche angeht: Mit den allseits bekannten Jack Beam und Jim Daniels wird man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht das Geheimnis des amerikanischen Whiskeys ergründen.

Pappy Van Winkle's Family Reserve 20 Jahre

Pappy Van Winkle's Family Reserve 20YO

Kentucky Straight Bourbon Whiskey, 90,4 proof / 45,2%.
Auf der Flasche steht als "Quelle" des Whiskeys "Old Rip Van Winkle Distillery" in Frankfort. Eine Destillerie dieses Namens hat es aber nie gegeben. Warscheinlicher ist die Old Commonwealth Distillery in Lawrenceburg, die den Van Winkles ab 1983 gehörte.
Mardee Haidin und Gary Regan beschreiben diesen Whiskey in ihrem Buch "Bourbon" wie folgt: Die Nase ist intensiv fruchtig mit verführerischen Anklängen von Zitronen- und Orangenschalen. Der Körper besitzt erstaunliche Dichte, sodass man ihn fast kauen kann. Am Gaumen ist er ungeheuer buttrig mit Sherry-Noten, etwas Trockenobst und üppiger, cremiger Vanille. Der Abgang ist lang und elegant. In ihrem Kommentar fügen sie noch hinzu: Dieser edle Tropfen sollte pur getrunken werden – er sit das klassisiche Beispiel dafür, dass dem Whiskey zusätzliche Jahre im Fass durchaus zuträglich sein können (auch wenn manche Destillateure behaupten, amerikanischer Whiskey schmecke nach mehr als sechs Jahren im Fass zu holzig). Ein Weltklasse-Whiskey!
98 von 100 Punkten haben sie ihm verliehen.

Geschichte der Van Winkles

J. P. Van Winkle and Son ist eine unabhängige amerikanische Whiskeyfirma mit Sitz in Louisville. Sie wurde 1977 von Julian P. Van Winkle Jr. und seinem Sohn Julian III gegründet. Sie sind Sohn bzw. Enkel von Julian Pappy Van Winkle, einem der großen alten Männer in der Geschichte des Bourbons.
Julian Pappy Van Winkle begann seine Whiskey-Karriere 1893 im Alter von 18 Jahren als Handelsvertreter bei William LaRue Weller and Sons. Sein Aufstieg war steil und 1908 kaufte er schließlich zusammen mit einem Kollegen die Firma. 1912 erwarb man die Stitzel Distillery in Louisville, die bereits seit 1900 vertraglich mit Weller and Sons verbunden war und für sie produzierte.
Ab 1910 durfte übrigens George Dickel dort produzieren lassen, weil im benachbarten Tennessee bereits die Prohibition galt.
Während der landesweiten Prohibition ab 1920 gehörte die Brennerei, zu den wenigen, die noch Alkohol herstellen durften – für „medizinische Zwecke“. Noch während der Prohibition wurden die Brennerei und Weller and Sons zu einer Firma fusioniert
1935, zwei Jahre nach Ende der Prohibition, wurde eine neue Fabrik in Louisville in Shively, Kentucky eröffnet. Julian Pappy Van Winkle wurde Präsident der Firma und stellte – gewissermaßen als erste Amtshandlung - am Eingang zum neuen Firmengelände ein Schild auf, auf dem stand:

»No chemists allowed – This is a Distillery not a whiskey factory«.

Aus dieser Brennerei stammten selbstverständlich auch die Van Winkle-Abfüllungen. Die zuletzt Stitzel-Weller Distillery genannte Brennerei wurde 1972 an Schenley verkauft. United Distillers, die späteren Besitzer schlossen sie 1993 und verlegten die Produktion in die nahegelegene Bernheim Distillery.
1977 gründeten die Nachkommen Julian Jr. und Julian III ihre eigene Firma. 1983 kaufte der jüngere die Old Commonwealth Distillery in Lawrenceburg, nachdem sein Vater zwei Jahre zuvor gestorben war. In der Old Commonwealth Distillery wurden alle Schritte der Herstellung von der Getreideaufbereitung bis zur Etikettierung durchlaufen. Letzteres geschah in Handarbeit, an der auch Julian III van Winkle selbst mithalf. Vielleicht ist also gerade diese Flasche durch die Hände des Firmenbesitzers selbst gelaufen.
Im Jahr 2000 wurde die Destillerie wieder geschlossen, lediglich die Abfüllung fand anfangs noch dort statt. 2002 übernahm die Buffalo Trace Distillery Abfüllung und Vertrieb, wo der Whiskey auch schon vorher produziert wird.
Von der Old Commonwealth Distillery stehen nur noch ein Warehouse und einige Gebäude, in denen das Getreide gelagert und aufbereitet wurde.

Whiskeys von Van Winkle

Bei diesen Whiskeys wurde der Roggenanteil in der Mash bill durch Weizen ersetzt.
Auf den Flaschen steht als "Quelle" des Whiskeys für gewöhnlich "Old Rip Van Winkle Distillery" in Lawrenceburg oder in Frankfort. Eine Destillerie dieses Namens hat es aber nie gegeben.
Es gibt mehrere Bourbons namens Old Rip van Winkle: Einen zehnjährigen mit 90 und mit 107 proof, einen 15-jährigen mit 107 proof und einen zwölfjährigen Rye mit 90 proof.
Weitere Abfüllungen sind ein Van Winkle Family Reserve Rye mit 13 Jahren, der 95,6 proof besitzt und ein Van Winkle Special Reserve Bourbon mit zwölf Jahren und 90,4 proof.
Die besten Whiskeys dürfen sich Pappy van Winkle's Family Reserve Bourbon nennen. Von ihnen gibt es derzeit drei Abfüllungen: Einen 15-jährigen mit 107 proof, einen 20-jährigen mit 90,4 proof und 23-jährigen mit 95,6 proof.
Lagerbestände aus der alten Produktion soll es laut Julian III Van Winkle nicht mehr geben.

Kentucky Straight Bourbon

Ein Kentucky Straight Bourbon muss nicht in Kentucky hergestellt sein. Die 1964 festgelegte Bestimmung besagt lediglich, dass er aus mindestens 51% Mais hergestellt werden muss.

Quellen

Walter Schobert, Das Whiskylexikon, S. Fischer Verlag
Gary und Mardee Haidin Regan, Bourbon, Collection Rolf Heyne
» Website der Van Winkles
» Linda und John Lipmans Website "American Whiskey"
» Straight Bourbon.com